Donnerstag, Januar 22, 2009

Operation Walküre

Heute startet in Deutschland der Spielfilm "Operation Walküre" über das Attentat auf Hitler und den Putsch-Versuch gegen die Nazi-Regierung - mit Hollywoodstar Tom Cruise in der Hauptrolle. Als ich vor einiger Zeit versuchte, eine Diskussion zu Claus von Stauffenberg -dem Attentäter aus der "Wolfsschanze"- in einem objektivistischen Diskussionsforum anzustiften, blieb mein Beitrag völlig ohne Resonanz und somit besteht zumindest die Hoffnung, dass die Ereignisse um Oberst Stauffenberg durch den Film einer breiteren Öffentlichkeit -auch in den USA- bekannt gemacht werden, denn ich vermute, dass einfach mangelnde Kenntnisse über die Ereignisse um die "Operation Walküre" die Diskussion nicht in Schwung kommen ließ. Eines sollte man allerdings von "Operation Walküre" nicht erwarten: "Nichts bekommt der Zuschauer mitgeteilt über die geistige Welt, aus der er (Oberst Stauffenberg, Anmerk.) kommt." Und eine Betrachtung dieser "geistigen Welt", die Stauffenberg prägte, wäre durchaus interessant gewesen, denn obwohl der Aristokrat und Berufsoffizier Abstand zu den Nazis hielt, war er doch ihr Diener, bis schließlich die schreckliche Realität zu sehr von dem Mythos des "geheimen Deutschlands" abwich und ihn schließlich zu einem unerbittlichen Gegner Hitlers werden ließ. Übrigens bekam Oberst Stauffenberg den Rang eines Obersten erst am 1. Jul 1944 verliehen, was nicht gerade dafür spricht, dass ihn das Regime als ungeeignet ansah, ihm an herausragender Stelle zu dienen, wenn diese Einschätzung zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr den Tatsachen entsprach.

Und wie sollte man Stauffenberg bewerten? Eckhard Fuhrs Meinung in DIE WELT erscheint mir nachvollziehbar:

Die Deutschen sollten ihren Stauffenberg in Ehren halten, sich aber ansonsten unter denen nach Helden umschauen, die nicht erst tätig werden, wenn es zu spät ist. Es gab zum Beispiel Männer und Frauen in Deutschland, die nicht erst Nein zum Vernichtungskrieg, sondern schon zum Ermächtigungsgesetz gesagt haben. Wer kennt noch ihre Namen?

5 comments:

Martin hat gesagt…

Von Stauffenberg wird leider maßlos überschätzt. Sicher, als Hitler-Attentäter gehört Mut dazu. Aber das militaristisch-preußische System danach abzuschaffen, das hatten er und seine Mitverschwörer bei weitem nicht im Sinn.

Ich möchte nicht wissen, wie Deutschland heute aussehen würde, hätten die Alliierten damals nicht auf eine bedingungslose Kapitulation bestanden.

Wolfgang hat gesagt…

Trotzdem ist es natürlich sehr bedauerlich, dass das Attentat nicht erfolgreich war. Übrigens ist erst seit den achtziger Jahren in Deutschland bei der Bevölkerung eine Mehrheit positiv für die Verschwörer gestimmt, was einen bestimmten kulturellen Wandel hin zu einer Verwestlichung ausdrückt, der natürlich positiv zu werten ist.

Sascha hat gesagt…

Stauffenberg ist in der Tat ein Mythos, den eine gewisse Marion Gräfin Dönhoff geschickt mitzustiften geholfen hat. Der Mann war keineswegs ein Freund von etwas, was auch nur entfernt wie eine freie Gesellschaft aussieht, wenn man sich einmal ansieht, was er und seine Genossen so im Sinne hatten, wie Deutschland nach dem geglückten Putsch aussehen sollte. Insofern sehe ich in ihm auch keinen Freiheitshelden, sondern im Kern einfach nur den Anführer einer desillusionierten Gruppe adeliger Autoritaristen, die versucht hat, vom Regime "zu retten was zu retten ist", als klar war, dass Hitlers Kurs in den Untergang führen würde.

Wolfgang hat gesagt…

Sascha, ich denke, du meinst das Buch "Um der Ehre willen: Erinnerungen an die Freunde des 20. Juni" von Marion Gräfin Dönhoff. http://www.buchtips.net/rez289-um-der-ehre-willen-erinnerungen-an-die-freunde-des-20-juni.htm
Ob dieses Buch, oder irgendein anderes, einen Mythos geschaffen hat, vermag ich nicht zu sagen. Ich vermute, die meisten Deutschen wissen über Stauffenberg und die anderen Verschwörer nur, dass sie Hitler umbringen wollten.

scrutograph hat gesagt…

Was soll denn die Ernennung zum Oberst aussagen oder nicht aussagen?

Im Film wird es so dargestellt, dass die Widerstandskreise hinter der Beförderung standen, um Stauffenberg in Hitlers Nähe zu bringen.

Beck, Goerdeler und viele ander waren keine Adelige. Die Putschisten hätten sich als Übergangslösung bis zur Machtübernahme der Alliierten nur in Form einer Militärdiktatur halten können.

Dass wir aber heute in einer solchen leben würden, wenn sie Erfolg gehabt hätten, ist aufgrund der alliierten Forderung nach bedingsloser Kapitulaton Unsinn.